Support für Einsame

Nach den Personenstudien im ersten zieht Daniel Miller im zweiten Teil der Studie Schlussfolgerungen. Da kommt “Das wilde Netzwerk” zu einer erstaunlich wohlwollenden Einschätzung von Facebook.

Einleitend verweist Miller darauf, dass Menschen nicht erst seit der Erfindung von Facebook zu sozialen Netzwerken gehören. Dabei lässt Miller dem Milliardenkonzern die Selbststilisierung zum sozialen Netzwerk durch. Da würde es durchaus klärend wirken, ausdrücklich zwischen Facebook als medialer Infrastruktur und den sozialen Beziehungen, die zwischen den Usern gepflegt werden zu unterscheiden.

Miller sieht durchaus einen Unterschied zwischen Infrastruktur und Beziehung. Das wird in seiner ersten These sichtbar: „Facebook erleichtert das Führen von Beziehungen“. Das meint er nicht einfach in einem elementaren Sinn eines technischen Behelfs. Vielmehr rückt er als Begründung die Defizite der Kontaktaufnahme im ‚wirklichen‘ Leben ins Zentrum: Viele Leute haben Hemmungen, direkt Kontakt zu knüpfen, es besteht die Möglichkeiten zu Komplikationen und Missverständnissen, schon gar wenn es um Liebe geht. Zudem könnten User sich auf Facebook über andere informieren, bevor Kontakt aufgenommen wird. So habe sich Facebook zu einer riesigen Dating-Agentur entwickelt.

In einer weiteren These meint Millter: „Facebook hilft den Einsamen“. Hier spinnt Miller die Argumentation weiter, dass Facebook Möglichkeiten schafft, die Restriktionen des sozialen Lebens zu Überschreiten. So hat der früher im Buch angesprochene Arvind als Farmville Spieler Kontakte gefunden – das Netzwerk hat ihm „zweifellos geholfen“.

Die Rolle von Facebook als Defizit Kompensator löst lebhafte Diskussion aus. Da ist ein weitläufiges Problemfeld angesprochen. Tatsächlich unterliegen viele (oder alle) Menschen Einschränkungen bei Knüpfen von Kontakten. Das hängt auch mit Defiziten in der Alltagskultur des Urban Lifestyle zusammen. In konventionellen Locations bis hin zur Szenebar ist es in Europa – und vielleicht auch in Trinidad – unklar, unter welchen Umständen und wie spontane Kontakte angesagt sind. Da wirkt Millers Position durchaus plausibel: Die Kontaktaufnahme via ein technische Medium ist kühler, mittelbarer, niederschwelliger.

Was bei Miller zu kurz kommt, ist eine Gesamtbilanz von Nutzen und Kollateralschäden: Eine Begleitthese könnte lauten: Wer seine Defizite beim Pflegen von direkten Beziehungen weitgehend durch Mediennutzung kompensiert, bleibt auf seinen Defiziten sitzen. Diese Fragestellung lässt sich allerdings nicht mit Millers Methode klären. Es wäre interessant, Typen von NutzerInnen zu bilden und entsprechende Gruppen über ein, zwei Jahrzehnte zu verfolgen.

Es wäre durchaus interessant zu sehen, wie extensive Facebook-Beziehungspflege als Twen sich auf die Fähigkeit auswirken, zehn Jahre später mit LebensparterIn und ein, zwei lebhaften Kleinkindern im echten 3D Raum zurecht zu kommen. Generell ist Millers Optimismus wohl schon angebracht. Das Beziehungspotential von Menschen ist gross und wird auch Facebook überleben. Im Ausmass geht aber Miller mit seiner positiven Wertung deutlich zu weit. Es fehlt an kritischer Distanz: Nicht weil er mit Milliardenkonzernen sympathisiert, sondern weil er seinen Figuren nicht zu nahe treten will.

Miller bringt eine Reihe von weiteren Thesen zur Sprache, etwa Facebook als Meta-Freund oder die Limiten als Instrument politischer Aktion. Die meisten sind in der Lesegruppen Runde wenig kontrovers diskutiert worden. Unter dem Strich ein wertvolles Buch. Miller bringt relevante Themen auf. Und vor allem: Er fabuliert nicht einfach sondern ist hingegangen, hat mit den Leuten gesprochen und Material gesammelt.

IGE veröffentlicht FAQ zu Public Domain

Das Institut für geistiges Eigentum hat auf unsere Anregung hin eine Zusammenstellung von häufigen Fragen und Antworten zur Public Domain veröffentlicht.

Es geht dabei auf häufige Fragen zur Public Domain ein und beschreibt dabei u.a.:

  • welche Werke nach schweizerischem Recht gemeinfrei sind (wie z.B. geistige Schöpfungen ohne Individualität, amtliche Protokolle und Berichte, wissenschaftliche Daten, 70-Jahre-Regel);
  • was man alles mit Werken in der Public Domain machen kann;
  • inwiefern originalgetreue Digitalisierungen eines gemeinfreien Werkes nicht zu einem Urheberrechtsschutz führen;
  • wann es erlaubt ist den DRM Schutz von gemeinfreien Werken zu umgehen.

Die FAQ sind besonders wertvoll, weil sie auch die Grenzen von urheberrechtlichen Ansprüchen auf der Website des Instituts für Geistiges Eigentum klar macht. Bisher kursierten vielerorts Annahmen und Thesen, beispielsweise über den urheberrechtlichen Schutz von Scans von gemeinfreien Bildern. Mit ihren Antworten schaffen die Experten des Instituts für geistiges Eigentum Klarheit bezüglich der Rechtssituation in der Schweiz.

Die FAQ liegen aktuell auf Deutsch vor und werden demnächst auch in den anderen Landessprachen erscheinen. Zudem werden in naher Zukunft weitere Antworten zu Fragen bezüglich internationaler Aspekte erscheinen.

Die Fragen wurden vom Verein Digitale Allmend in Kooperation mit weiteren Organisationen im In- und Ausland gesammelt und vom Institut für Geistiges Eigentum anschliessend beantwortet. Es sind Fragen, die sich uns bei der Arbeit für Wikipedia, OpenGLAM, Re:Public Domain und bei weiteren Aktivitäten immer wieder gestellt haben. Wir danken dem Institut für Geistiges Eigentum für seine Kooperationsbereitschaft.