Promo-Musik gesucht, Verwertungsgesellschaftsmitgliedschaft als Hindernis

Ein Onlineshop mit umweltfreundlichen Produkten (7Sky Greenroom) sucht Musik für ihren neuen Werbespot. Der Werbespot soll auf VIVA und MTV ausgestrahlt werden. Restorm unterstützt den Aufruf und Songs können dort eingereicht werden.

Dies ist sicher eine gute Promotionsmöglichkeit für einige Bands. Nicht jede Band kann jedoch problemlos teilnehmen und einen Song einreichen. Problematisch scheint die Mitgliedschaft bei einer Verwertunggesellschaft:

Wichtiges für Bands und Musikschaffende, die SUISA-Mitglieder sind: Die SUISA erhebt für die Ausstrahlung von Werbespots im Fernsehen Gebühren, sobald die gespielte/ausgestrahlte Musik von SUISA-Mitgliedern stammt. Gewinnt eine SUISA-Band den Wettbewerb, muss sie die Gebühr über CHF 2’500.- vorschiessen. Das Geld wird der SUISA weitergeleitet, die es nach Abzug der Verwaltungskosten an ihre Mitglieder verteilt. Wie hoch der Rückvergütungsbetrag tatsächlich ausfallen wird, entzieht sich der Kenntnis von 7Sky und restorm.com.

Die SUISA hat schon mehrfach begründet, weshalb sie das nicht möchte. Ein zentrales Argument ist dabei, dass Künstler davor geschützt werden sollen, Rechte einmalig zu einem tiefen Preis abzugeben. Das mag sein. Viel häufiger stellt sich aber für viele Musiker die Frage, wie sie
überhaupt zu Promotionsmöglichkeiten kommen.

Bericht zum VI. COMMUNIA-Workshop, Oktober 09 in Barcelona

Die Digitale Allmend ist neues Mitglied von Communia des europäischen Netzwerkes zum Thema Digitaler Public Domain. Wolf hat einen Bericht des letzten Workshops geschrieben:


Bericht zum VI. COMMUNIA-Workshop, Oktober 09 in Barcelona

Nach der ziemlich aufwändigen Formalisierung unserer Neu-Mitgliedschaft im Communia- Netzwerk, die Dank Daniels Unterstützung zügig abgeschlossen werden konnte, war ich ziemlich gespannt auf Einstieg und Inhalte beim Workshop in Barcelona zum Thema: Memory Institutions and Public Domain. Die Veranstaltung fand in der altehrwürdigen Universität im Stadtzentrum statt, was atmosphärisch sehr angenehm und vorteilhaft war. Im Vergleich zu einem früheren WS in London gab es diesmal auch einen guten Internet-Zugang, lediglich mit der Stromzufuhr haperte es, wenn sich Dutzende von Teilnehmenden um wenige Steckdosen rangelten.

Der Vor-Workshop am ersten Tag hatte eher informellen Charakter. Beim ersten Traktandum am Vormittag ging es um die Vorbereitung der nächsten (und vorläufig letzten) Communia-Konferenz 2010 und erste Planungsentwürfe. Bei diesem Topic wie auch beim nächsten Policy Ad-hoc Group Meeting, wobei die ersten Policy Recommendations (Entwurf siehe Website) diskutiert wurden, war es nicht nur für Neulinge schwierig, einen Einstieg oder Zugang zu finden. Der Raum (eine kleine Neben-Bibliothek) war viel zu klein für die Anzahl der Teilnehmenden; die Netzwerk-Leader versammelten sich um einen Konferenztisch, der Rest sass dicht gedrängt auf den hinteren Plätzen an den Wänden, was für eine inklusive Diskussionsdynamik nicht sehr zuträglich war. Dementsprechend debattierten am Vormittag die Schlüsselpersonen und Wortführer im Netzwerk weitgehend unter sich, der überwiegende Rest hörte zu und versuchte sich zu orientieren. Für Neulinge nachteilig war ausserdem, dass es in den spärlichen Konferenzunterlagen keine Teilnehmerliste gab, womit man besser Namen und Gesichter in einem neuen Umfeld hätte zuordnen können. Die ersten zögerlichen Kontaktaufnahmen fanden daher in den Kaffee- und Mittagspausen statt; u. a. mit Peter Troxler (einigen von euch sicher bekannt), der mir dann noch einige Hintergrundinfos lieferte, was die Orientierung verbessern half.

Am Nachmittag standen dann Gruppenarbeiten in den verschiedenen Communia-Working groups auf dem Programm. Habe davon die WG 1/5 EduScience gewählt (in die ich mich vorab schon eingetragen hatte und auf die ich mich weiterhin konzentrieren werde). Einen richtigen Einstieg und Zugang fand ich erst in dieser Arbeitsgruppe, die offen und strukturiert diskutierte. Dabei ging es erstmal um den zu überarbeitenden Entwurf eines Fragebogens, mit dem Mitglieder in den jeweiligen Ländern die Open-Access- Voraussetzungen von Universitäten verifizieren können (Musterexemplare habe ich nur als Handouts und kann euch diese für unser nächstes Kerngruppen-Treffen kopieren). Mit der überarbeiteten (End-)Fassung des Fragebogens sollen dann im nächsten Jahr – je nach Kapazitäten – ein bis zwei Universitäten pro Land befragt und erfasst werden. Für die Schweiz naheliegend wären die Uni St. Gallen (via Urs Gasser) und die Uni ZH (via unsere Kerngruppe). Den Rest des Nachmittags verbrachten wir mit einer angeregten Diskussion über den Entwurf der Policy Recommendations insbesondere in Bezug auf unseren WG-Focus Bildung (Education) und Forschung (Research). Bei der Diskussion wurde angemerkt, dass der bisherige Entwurf eine relativ enge Public Domain-Definition setzt und einige gesellschaftliche Bereiche aussen vor lässt, die durchaus einbezogen oder zumindest reflektiert werden sollten. Grundsätzlich gehört dieses Thema jedoch eher zur WG 6 zum Mapping the Public Domain. Die Policy Recommendations zählen zu den zentralen Empfehlungen zum (evtl. vorläufigen) Abschluss des Projekts im Herbst 2010. (Weitere Infos zur WG 1/5 siehe am Ende des Berichts unter „Notes“)

Communia-WS on Memory Instutions

Der eigentliche Communia-WS fand am zweiten Tag in einem offizielleren Rahmen statt unter Beteiligung zahlreicher ReferentInnen zu den Erfahrungen verschiedener Memory Institions (überwiegend aus Spanien – siehe Programm http://communia-project.eu/ws06).
Am zweiten Tag dachte ich mehrmals, dass eigentlich besser Hartwig hier sein sollte, der an diesem Thema Memory Institutions viel näher dran ist als ich. Die Vorträge und Präsentationen an diesem Vormittag könnte man durchaus als wohlgemeinten „Overkill“ an Informationen bezeichnen; zwischen 9.00 und 14.00 Uhr reihten sich (mit einer Pause) neun Referate aneinander, recht unterschiedlich auch in der Form und englischsprachigen Präsentation (z. T. schwer verständlich). Ich hatte zwischendurch jedenfalls Mühe, diesen geballten Darbietungen konzentriert zu folgen. Unklar war dabei teilweise auch, in wieweit die vorgestellte Arbeit und Projekte der verschiedenen Memory Institutionen mit der Public Domain zu tun haben? Oder: kann/muss man davon ausgehen, dass alle diese Institutionen per se zur Public Domain gehören? Bei einzelnen Referaten wie von Ben White von der British Library war das klar heraus gearbeitet. Dieser konzentrierte sich im Wesentlichen auf die notwendigen rechtlichen Voraussetzungen und nötigen Ausnahmeregelungen für Langzeitarchivierung und Nutzung. Eine seiner zentralen Empfehlungen (policy recommendations) war, dass es europaweit vermehrt Investitionen bedarf, um die vorhandenen Bestände zu digitalisieren, und dies sollte mit dem klaren Focus auf die Public Domain erfolgen. Siehe auch WS-Tagesprogramm unter http://communia-project.eu/ws06.

Auch bei den meisten nachfolgenden Präsentationen ging es im Wesentlichen immer wieder um rechtliche Beschränkungen des geltenden Urheberrechts und die Frage, wie Nachhaltigkeit, Langzeitarchivierung, offener Zugang etc. am besten gewährleistet werden können. Auch der Vortrag von Georg Eckes (deutsches Filminstitut, Frankfurt) über das EU-geförderte European Film Gateway behandelte die Schwierigkeiten beim Ausbau der Europeana, Europas digitaler Bibliothek, der massiv von einem altertümlichen Urheberrechtsschutz behindert wird. Und auch Eckes machte deutlich, dass solche Projekte ohne einen einheitlichen Rechtsrahmen wie eine Reform des gängigen UHR immer wieder an ihre Grenzen stossen, worüber die EU-Kommission nun zumindest nachdenken will.

Spannend waren auch einzelne Präsentationen wie die von Maja Bogataj vom Slowenischen Institut für geistiges Eigentum, die über Besonderheiten des erst spät an europäische Standards angeglichenen slowenischen Urheberrechts sprach (A mistake or an opportunity?). Interessante Fallbeispiele waren auch solche der nordspanischen Stadt Girona, wo der Stadtrat eigene Open-Access-Regelungen fürs Stadtarchiv entwickelte. Oder auch private Initiativen, Projekte und digitale Plattformen für Kunst, die mit freier Software und freien Lizenzen geschaffen wurden (Fundacio Antoni Tapies, Barcelona).

Die meisten dieser Präsentationen des WS-Programms können inzwischen von der Communia-Website herunter geladen werden – siehe: http://communia-project.eu/ws06 . Die meisten Vorträge des überfüllten Vormittag-Programms waren naheliegenderweise aus Spanien, wohl auch um der erstaunlichen Vielfalt solcher Projekte dort Rechnung zu tragen. Auch ich war überrascht, dass sich diese Grundsatzfragen um die Public Domain offenbar nicht mehr auf den wissenschaftlichen/universitären Bereich beschränken, sondern inzwischen viele Archive und Bibliotheken beschäftigen. Beim Nachmittagsprogramm und Abschluss des Barcelona-Workshops war meine Konzentrationsfähigkeit schon arg strapaziert. Die beiden abschliessenden Referate von Victoria Reich (Standford University) über Preserving the Public Domain sowie von David Giaretta (Rutherford, UK) über Future demands on memory institutions in the digital world könnt ihr auch unter dem o. g. Link von der Website einsehen ;-) .

Für mich war dieser erste Communia-WS ein interessanter und geballter Auftakt mit viel Inhalten
und neuen Leuten, die für unser DA-Networking gewiss wichtig sind (bei allen erwähnten Anlaufschwierigkeiten). Anzumerken bleibt, dass wir erst spät zu diesem Projekt als Mitglied kamen, wo das vorläufige Ende der Übung im nächsten Jahr bereits absehbar ist. Doch den Endspurt sollten wir noch nutzen.

Neuchâtel, Oktober 09 / Wolf
Ludwig

Schockwellen von Google Books

Die NZZ sieht ein Menetekel auch über der Buchbranche lasten, nachdem die Musikindustrie durch Tauschbörsen „an den Rand des wirtschaftlichen Ruins getrieben wurde“ (21.7.09). Das mag die lebhaften Kontroversen erklären, welche das „Google Book Search Copyright Settlement“ begleiten. Die Lesegruppe der Digitalen Allmend hat die Problematik anhand von einigen Zeitungsartikeln am 12. Oktober diskutiert.

Das Potential der digitalen Präsentation von Büchern wird seit Jahren diskutiert und ansatzweise auch ausgeschöpft. Zivilgesellschaftliche Initiativen bereiten ältere Texte auf. Die Staaten als Hüter des kulturellen Erbes wurden ebenfalls tätig. Allerdings zeigten sich in den letzten Jahren die Grenzen. Weder die EU mit dem Projekt ‚Europeana‘ und noch ansonsten kulturbeflissene Staaten wie Frankreich waren bereit, mehr als ein paar finanzielle Peanuts in die Hand zu nehmen. Obwohl ein paar hundert Millionen Euro reichen würden, um grosse Teile des literarischen Erbes eines Landes digital aufzubereiten, setzt die Politik andere Prioritäten.

Google stösst also mit seinem Projekt der Buchdigitalisierung in ein Vakuum vor und das kann man einem Konzern schlecht zum Vorwurf machen. Die strategische Positionierung als Content-Drehscheibe dürfte dem Werbegeschäft zugute kommen. Wie legitime Interessen von AutorInnen und Öffentlichkeit gewahrt werden können, ist Gegenstand laufender Auseinandersetzungen.

Weniger problematisch ist die Digitalisierung alter Werke. Hier vereinbaren Bibliotheken im Rahmen von Digitalisierungsprojekten mit Google, dass sie eine eigene Kopie des digitalen Inhalts bekommen und zur Verfügung stellen können. Hier haben wir diskutiert, ob es nicht eine öffentliche Aufgabe sein soll, ein zentrales Portal für den leichten Zugang zu diesen Inhalten aufzubauen.

Im Zentrum der Auseinandersetzungen um das Google Settlement steht einerseits das Vorgehen des Konzerns, ausgehend von der Festung USA die weltweiten Kulturproduzenten vor vollendete Tatsachen zu stellen. Andererseits die Modalitäten der Präsentation und vor allem die Entschädigungsfrage. Der anfängliche Schock ist einer differenzierteren Haltung gewichen. Es ist ja nicht so, dass die Mehrheit der AutorInnen in den letzen Jahrzehnten in einer paradiesischen Lage befand, die Google nun zu zerrütten droht.

Vielmehr ist die Lage für viele eher prekär und auch publizistisch unbefriedigend. Etwa im Fall eines Autors, der in den 90er Jahren mal ein Sachbuch mit ein paar tausend Auflage verkaufen konnte, das nun aber weder neue aufgelegt wird noch irgendwelche Tantiemen abwirft. Die Möglichkeit, dass der technische Wandel im allgemeinen und Google im besonderen die Prekarisierung weiter verschärfen können, ist nicht von der Hand zu weisen.

So begreiflich ein gewisse Nervosität ist, so wenig hilfreich erweist sich ein Rundumschlag wie der ‚Heidelberger Appell‘. Da wird auch der ‚Open Access‘ Gedanke frontal attackiert. Das erscheint uns angesichts der Tatsache, dass an Hochschulen gut bezahlte Staatsangestellte wissenschaftliche Texte produzieren, ziemlich überzogen. Die Öffentlichkeit zahlt, sie entscheidet auch die Modalitäten der Publikation.

Die Auseinandersetzung geht weiter. Entgegen allen Erwartungen geht das Google Book Settlement nicht einfach über die Bühne. Ein erster Termin wurde annulliert. Das zuständige Gericht soll auf Antrag der Parteien am 6. November eine Standortbestimmung vornehmen (NZZ 23.9.09).