Mo 29.9.2008 – Wikipedia – gewusst wie

Am Montag 29.9.2008 – 18:00 findet eine von Wikimedia CH und die ZB Zürich organisierte Veranstaltung in der ZB Zürich statt.

Aus dem Veranstaltungsflyer:

Wikipedia–gewusst wie

Die Online-Enzyklopädie bewusst nutzen
Mit Magnus Wieland (Zentralbibliothek Zürich) und Nando Stöcklin (Wikimedia Schweiz, PH Bern)

Alle schauen in der Wikipedia nach: Bibliothekare Journalistinnen, Schüler… Es geht schnell und einfach, und man wird fast immer fündig. Aber wer hat dieses «etwas» geschrieben, wer steckt dahinter? Und wie vertrauenswürdig ist diese Information?

Die Frage nach der Qualität und Verlässlichkeit von Information ist nicht neu. Sie stellt sich beim ledergebundene Lexikon mit Goldrand im Lesesaal der Bibliothek ebenso wie bei den Abstimmungsunterlagen der Behörden im Briefkasten und dem wissenschaftlichen Artikel in der Fachzeitschrift. Für diese etablierten Medien gibt es eingeübte und bekannte Methoden, die Qualität zu beurteilen.

Wikipedia aber ist ein neues Informationsmedium, das auch nach neuen Beurteilungsmethoden verlangt. Die gibt es – man muss sie aber zu nutzen wissen.

Die Veranstaltung in der ZB stellt die Wikipedia in diesem Kontext vor und blickt hinter die Oberfläche der Lexikonartikel. Sie stellt die Online-Enzyklopädie nicht in Frage, aber zur Diskussion und zeigt Wege auf, Wikipedia-Infos richtig zu bewerten und einzuordnen: Wikipedia – gewusst wie.

Politische Ökonomie des Wissens

Wer den Begriff der politischen Ökonomie in den Titel setzt, weckt mit dieser Referenz an einen gewissen Karl Marx grosse Erwartungen. Die Lesegruppe Wissensgesellschaft hat am 22.9.08 das Buch von Julian Eckl zur Ökonomie der Wissensgesellschaft diskutiert (1).
 
Das Kapitel „konzeptuelle Grundlagen“ hat widersprüchliche Interpretationen herausgefordert. Die Runde war sich einig, dass Eckl die Gestaltbarkeit, die Undeterminiertheit gesellschaftlicher Regelungen postuliert. Aus technologischer Entwicklung kann keineswegs abgeleitet werden, dass etwa bestimmte Formen von geistigem Eigentum zwangsläufig notwendig sind. In diesem Sinn zitiert er eher zustimmend die Position von Bijkers. Der betont, dass die Stabilisierung von Artefakten, etwa von  Technikgestaltung, ein gesellschaftlicher Prozess ist, der über Entscheidungen, Interessen und Werturteile geformt wird. Auch zu einer Analyse von GATT-Verhandlungen über geistige Eigentumsrechte betont Eckl: „Der Ansatz, staatliche Interessen nicht als gegeben oder aus der Struktur des internationalen Systems ableitbar anzusehen“ habe sich „als äusserst fruchtbar“ erwiesen (Seite 38).

Kontrovers wurde nun folgende Hypothese diskutiert: Wenn Eckl Gestaltbarkeit behauptet, wird diese These von der Logik seiner Analyse unterlaufen. Der Autor skizziert ein übermächtige, struktural verfestigt Konfiguration von Staat und Markt, die über das Scharnier des Privateigentums miteinander verbunden sind. Nicht einmal nur lose verbunden – aus Gründen des Erkenntnisgewinns hebt seine Sichtweise von politischer Ökonomie „die normative Trennung zwischen Staat und Markt“ auf.

Während Marx der politischen Ökonomie des Kapitalismus mit dialektischem Zaubertrick die Hervorbringung des eigenen Totengräbers in Gestalt der Arbeiterklasse prognostiziert, bleibt das Verhältnis zwischen dem Staat-Markt-System einerseits und den Akteuren-Handlungsspielräumen andererseits bei Eckl ziemlich unbestimmt. Die Folge: In grossen schwarzen Linien gemalte Systemanalysen wirken nicht gerade ermutigend auf Leute und Bewegungen, die aktiv eingreifen möchten.

Dem wird in der Diskussion entgegen gehalten, dass es durchaus nötig und legitim ist, als Hintergrundbild eine derartige Grossanalyse zu skizzieren. Sie ist unverzichtbar, um in öffentlichen und intellektuellen Debatten Positionen zu markieren.

Einigermassen vage bleibt Eckls eigene Arbeitshypothese der Wissensgesellschaft. Das mag mit seiner Skepsis gegenüber dem Begriff zusammenhängen. Er bestimmt sie knapp mit einer Abgrenzung von Wissen von Glauben, wie sie die Aufklärung hervorgebracht haben soll. Aussen vor bleibt auch ein konzeptueller Rahmen, um die Realökonomie der Wissensgesellschaft grob zu analysieren. Hier gibt es ja auch milliardenschwere Segmente, deren Wertschöpfung nicht auf geistigen Eigentumsrechten basiert, etwa das Bildungswesen, die Werbeindustrie oder der Finanzsektor.

Nun geht es aber Eckl nicht um grossangelegte Konzeptarbeit. In den Hauptteilen des Buches beschäftigt sich der Autor mit den Auseinandersetzungen um Open Source und geistiges Eigentum. Sein Buch wird als relevant und interessant bewertet. Nachdem wir bisher Autoren aus dem 20.Jahrhundert wie Drucker und Castells angesehen haben, sind wird mit Eckl in der Gegenwart angekommen, wo wir uns weitere Texte vornehmen. Nächster Termin ist der 10. November.

(1) Eckl, Julian. Die politische Ökonomie der “Wissensgesellschaft”.Geistige Eigentumsrechte und die Frage des Zugangs zu Ideen. Marburg, Tectum Verlag, 2004.

Stefan Kluge über Creative Commons und einen neuen Film

Mit grossem Dank an KulturTV:

Anlässlich des CCL/Digitale Allmend Anlass vom 12. September 2008 in der Zürcher ToniMolkerei hat Bernhard die Gelegenheit ergriffen und mit Stefan Kluge von VEB Film Leipzig ein Gespräch zu Creative Commons geführt. Dabei haben wir auch erfahren, dass ein neuer Film in Kürze präsentiert wird.

Zur Erinnerung, VEBFilm hat 2004 den ersten Film produziert (Route 66), der unter einer CC-Lizenz steht.

Das Video bei YouTube in “höherer Auflösung” ansehen.

Vote Dada!

Am 28.09. findet in Zürich die Abstimmung über das Cabaret Voltaire statt. Über die Jahre haben wir von der Digitalen Allmend immer wieder Veranstaltungen im Cabaret Voltaire durchführen können und jedes Mal war die Zusammenarbeit sehr erfreulich. Es gibt nicht viele Institutionen die so offen sind für experimentelles und kritisches wie das Dada Haus. Ein Nein an der Urne würde zur sofortigen Schliessung des Hauses führen und wäre für uns, und für Zürich, ein grosser Verlust. Deshalb, unbedingt abstimmen gehen:
EIN JA IN DIE URNE ZU LEGEN…..

– ein JA für Dada!

– ein JA für die Kunstfreiheit!

– ein JA für etwas Ambivalenz im «schönen Züri»!