Medienkulturgespräch – Offene Werke & Open Hardware

Seit Anfang Jahr erscheint ein monatlicher Beitrag in der Fabrikzeitung der Roten Fabrik mit dem Titel “Medienkulturgespräch”. Das Dock18 liefert dabei die Beiträge. Die Beiträge sind neu auch online verfügbar. Es folgt eine Zusammenstellung einiger Beiträge, welche auch Themen der Digitalen Allmend betreffen:

Offene Werke

Die meisten Schweizer Filme werden mit öffentlichen Geldern oder über Stiftungen gefördert und finanziert. Im Jahr 2013 gab der Bund rund 20 Mio Franken für Produktionen aus – im Vergleich: Terminator 3 kostete 180 Mio Franken. In der Wissenschaft setzte sich der Grundsatz durch, dass von öffentlichen Institutionen geförderte Wissenschaft auch öffentlich zugänglich sein sollte. Die Frage, ob dieser «Open Access» nicht ebenso für öffentlich geförderte Kultur gelten soll, drängt sich auf. In diesem Medienkulturgespräch wird diesbezüglich ein Vorschlag zur Diskussion gestellt, der bereits in Linz umgesetzt wurde.

Mit einem Inputbeitrag von Leonhard Dobusch (u.a. Netzpolitik) und Repliken von Hans Läubli (Suisseculture), Matthias Stürmer (Parl. Gruppe Digitale Nachhaltigkeit), Dominik Landwehr (Migros Kulturprozent), Poto Wegner (Swissperform).
Leonhard Dobusch ist am 21.6.2013 in Zürich im Dock18 und stellt die Kampagne Recht auf Remix vor.

Der Beitrag ist im Medienkulturgespräch-Blog von Dock18.
Open Hardware

von Peter Troxler: Während High-Tech Hersteller versuchen, ihre Hochglanz-Produkte hermetisch zu verschliessen und gegen jegliche «unautorisierte»
Modifikation und Reparatur zu versperren, kommt eine immer prominenter werdende Bewegung auf, die genau das Gegenteil anstrebt: «If you can’t open it, you don’t own it» ist die Devise von Open Hardware. Diese verspricht nicht nur hip zu sein, sondern vielmehr Technologie fundamental zu innovieren.

Der Beitrag von Peter Troxler im Medienkulturgespräch-Blog von Dock18.

Weitere…
Im letzten Jahr hatten wir einen ersten Beitrag mit dem Titel “>”Musik wie Wasser”.Mit einem Inputbeitrag von Gerd Leonhard (The Future Agency) zur Musikflatrate und Repliken von Poto Wegner (Swissperform), Hartwig Thomas (Digitale Allmend), Tim Renner (Motor.de).

21.6.2013 – Remix Cultures im Dock18

Gerne machen wir Sie auf die folgende Veranstaltung aufmerksam:

Remix Cultures night – Recht auf Remix und Beispiele aus der Remix Kultur
Fri, 21. 06. 13 * 20:00 / dock18, Rote Fabrik, Seestrasse 395, Zürich

Ein Abend rund um Remixes. Leonhard Dobusch stellt die Kampagne “Recht auf Remix” vor. Er ist treibende Kraft hinter der Kampagne und aktiver Blogger auf Netzpolitik.org. Rechtaufremix.org wurde während der Re:Publica in Berlin gestartet. Anschliessend werden Beispiele der Remix Kultur (sofern man von einem derartigen Genre überhaupt sprechen kann) gezeigt und einer Remixkultur in Bild, Ton + Code nachgegangen.

Mit Leonhard Dobusch (Recht-auf-Remix.org), Simon Schlauri (Digitale Allmend), Pat Maechler (Piratenpartei), Dragica Kahlina (Gamespace.ch), Daniel Boos, Mario Purkathofer (Dock18), Héctor Zarate (Musiker), Patric Kaufmann (Sonicsquirrel.net), u.a.

20 Uhr Leonhard Dobusch: Recht auf Remix, Einführung + Diskussion
22 Uhr Remix Practices – Live Remixing mit Héctor Zarate

Leonhard Dobusch schreibt für den Blog Netzpolitik (www.netzpolitik.org) und forscht als Juniorprofessor an der Freien Universtität Berlin u.a. zu transnationaler Urheberrechtsregulierung. www.dobusch.net

Héctor Zarate ist Musiker und Programierer aus Mexico, lebt zur Zeit in Warschau Polen. Héctor Zarate war Teil des letztjährigen Interactivos Festival in Ljubljana, Solvenien. Soundcloud

Medien im 20. Jahrhundert

Um die digitalen Medien in einem grösseren Zusammenhang zu diskutieren, pflügt sich die Lesegruppe der Digitalen Allmend durch eine Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts (1). Bereits um 1900 lässt sich eine grosse Vielfalt persönlicher und öffentlicher Medien konstatieren.

Die mediale Moderne hat sich in mehreren Schüben ausgeprägt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entsteht die Massengesellschaft mit entsprechenden alltagskulturellen und medialen Formen. Ein zweiter Schub erfolgt in den zwanziger Jahren. Da formieren sich nicht nur in New York, Paris und London, sondern auch in Tokyo, Shanghai und Berlin vibrierende Formen der Populärkultur: Kinos, Sechstagerennen, Kabaretts, Boulevardblätter, Illustrierte und tausende von spezialisierten Publikationen.

Die wichtige Rolle Berlins und Deutschlands rechtfertigt durchaus einen exemplarischen Blick. Dass Werner Faulstich im Titel „Die Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts“ verspricht, um dann nur von Deutschland zu schreiben, geht dann aber vielleicht etwas weit.

Der Autor setzt mit der Situation Ende des 19. Jahrhunderts ein und skizziert materialreich die Medienlandschaft. Überraschend wirkt manche Gewichtung, wenn er etwa das „Ende des Theaters als Medium“ bespricht. Wie in der Diskussion der Lesegruppe dann immer klarer wird, hat das seinen Grund in Faulstichs Medienbegriff. Der zentriert sehr stark um die technisch-materielle Form. Das hat durchaus erfrischende Folgen. Konsequent blickt der Autor so auch ausführlich auf unspektakuläre Medien und rückt etwa mit Briefmarken, Spielkarten oder Kochrezepten auch die grosse Gruppe von Blattmedien umfassend ins Blickfeld.

Zu Recht identifiziert Faulstich für das Ende des 19. Jahrhunderts „erste Tendenzen des Umschwungs zu den elektrischen Medien“. Das ist im Fall des Telefons offensichtlich. Bei Film und Schallplatten kann allenfalls von ersten Anzeichen die Rede sein, zumal das Grammophon um 1900 weder elektrischen Antrieb noch elektronische Verstärkung aufwies.

Der Autor skizziert die enorme Vielfalt der Printmedien, die sich um 1900 und erneut in den zwanziger Jahren herausgebildet hat. Neben bekannteren Tageszeitungen und illustrierten Wochenzeitschriften erschienen tausende von weiteren Printmedien von Kunst bis Klassenkampf, von Wissenschaft bis Lebensreform. Hinzu kamen an Organisationen gebundene Publikationen von Berufsverbänden, Parteien oder Vereinen. Hier lässt sich durchaus die These einer weit entwickelten printbasierten Informationsgesellschaft einbringen, in der interessierte ZeitgenossInnen eher mit Informationsüberlastung als mit Informationsmangel zu kämpfen hatten.

Nun war es auch in den zwanziger Jahren nicht so, dass die neugierige städtische Mittelschicht sich hinter Klassiker und gelehrte Zeitschriften klemmte. Faulstich charakterisiert eine Medienkultur, „die von Werbekultur, Propaganda und vor allem Unterhaltungskultur in einem bislang noch nicht da gewesenen Ausmass bestimmt wurde“. Entsprechend stiegen die Ansprüche an grafische Gestaltung und Schriftsatz, was mit einer Professionalisierung dieser Berufe und einem Aufschwung der Kunstgewerbeschulen einherging. Hier stellt sich die Frage, wie weit auch ästhetische Elemente in ein Medienkonzept eingehen. Die Gestaltung von Titelbildern, Fotoseiten oder elegante Modeinserate gehören mit zur Vorstellung bestimmter Medientypen etwa in den zwanziger Jahren.

Das interessiert den Autor aber weniger. Seine Zentrierung auf einen technisch-materiellen Medienbegriff lässt kuluturelle Aspekte verblassen. Das geht weit über die Gestaltung hinaus. Faulstich macht kaum plausibel, mit welchen soziokulturellen Entwicklungen die Medientrends etwa in den zwanziger Jahren interagieren.

 

1) Werner Faulstich. Die Mediengeschichte des 20. Jahrhunderts. Fink 2012. (Die ersten Kapitel besprochen am 10. Juni und 2. Juli 2013).