IFPI mal anders: «inspiring people to share!» ;) [Update]

Die IFPI ist immer wieder gut für Überraschungen. Nach dem unfreiwilligen Redesign von ifpi.com erstrahlt seit diesem Montag nun auch die Website www.musikindustrie.de, die von der Deutschen IFPI-Sektion unterhält wird, in neuem Gewand.

Auf der Homepage prangert gleich unter dem neuen Logo ein grosser Countown, der dem Besucher vor Auge führen soll, wie viele illegale Downloads seit Anfang Jahr getätigt wurden. Was die IFPI genau darunter versteht und wie sie auf diese Zahl kommt steht leider nirgends.

Erst wenn man sich den Quelltext der Website anschaut, die auf dem freien CMS Typo3 basiert, erhält man einen Hinweis, wie das mit dem Download-Zähler gemeint sein könnte. In der 7. Zeile des Quellcodes steht nämlich folgendes:

This website is powered by TYPO3 – inspiring people to share!

[Update]:
Auf Nachfrage hat uns Sylvia Reitz vom Bundesverband Musikindustrie e.V. mitgeteilt, dass der Downloadzähler auf musikindustrie.de auf der Zahl der illegalen Downloads im Jahr 2006 basiert, welche die IFPI in ihrer Brennerstudie ermitteln liess. An dieser Studie, die von der Gesellschaft für Konsumentenforschung (GfK) durchgeführt wurde, nahmen 10’000 Peresonen teil. Mehr Infos dazu in diesem Artikel auf Spiegel Online.

Wissensgesellschaft – ein Verschleierungsbegriff?

Wissensgesellschaft – ein Verschleierungsbegriff?

Das jüngste Projekt der Digitalen Allmend hat abgehoben. Zu viert haben wir am 27. November die Lesegruppe Wissensgesellschaft gestartet. So eine Gesprächsrunde zu entwickeln ist eine Herausforderung. Leute mit verschiedenen Hintergründen sollen sich intensiv einbringen und gleichzeitig einen anspruchsvollen Text im Auge behalten. Das ist ganz gut gelungen.

Die Vorteile des Textes von Gemperle / Streckeisen (1) zeigten sich darin, dass niemand von der Position der Autoren begeistert war und der Text aber anregende Schlaglichter auf Entstehung und Vertreter des Konzepts von Wissensgesellschaft wirft. Hier einige der Punkte, um die sich unsere Diskussion gedreht hat.

Kann die Durchdringung mit IT-Technologie als Indikator für die Wissensgesellschaft angesehen werden? Die Autoren meinen nein und kritisieren eine Studie des Staatssekretariats für Wirtschaft (seco). In der Diskussion wurde bemerkt, dass die Autoren an keiner Stelle nachweisen, dass die kritisierte Studie übertriebene Schlussfolgerungen in Richtung Wissensgesellschaft zieht.

Im Abschnitt zum sozialwissenschaftlichen Post-Syndrom wurden die Ausführungen zu den fünfziger und sechziger Jahren als interessant taxiert. Da wird etwa Daniel Bells „The Coming of the Post-Industrial Society“ vorgestellt. Eher enttäuschte Äusserungen hat es zu den neueren Autoren gegeben, die ziemlich verkürzt „in die Pfanne gehauen“ werden.

Wo Gemperle / Streckeisen (andere) linke Positionen kritisieren, machen sie ihr Anliegen dann ziemlich klar. Jede Verwendung von Begriffen wie Informations- oder Wissensgesellschaft scheint für sie „einer kritischen Analyse der gesellschaftlichen Wirklichkeit im Wege zu stehen“ (S. 25). In der Diskussion haben wir aber mehrmals festgestellt, dass die Autoren selber auch einer von ihnen kritisierten pauschalisierenden und abstrakten Betrachtung verhaftet bleiben.

Ein lebhaftes Gespräch hat sich um die Frage entwickelt, wie weit Leitvorstellung und Strukturwandel der Wissensgesellschaft direkt zur Ausgrenzung von sozial Schwächeren führt, die nicht mit der Leichtigkeit des smarten Mittelstands agieren können.

In der Diskussion ist auch der Wunsch laut geworden, Grundbegriffe wie Information oder Wissen zumindest ein Stück weit zu klären. Das ist nun zu einem Eintrag in der nice to read Liste geworden, wir suchen einen geeigneten Text dazu. Weiter auf der Liste sind ein Kapitel zu Castells Netzwerkgesellschaft in (2) und ein Text zu Creative Commens (3). Weiter geht’s im Januar.

Urs

1) „Einleitung zur Diskussion ¸ber die Wissensgessellschaft.“ in: Gemperle, M.; Streckeisen, P. (Hrsg.): Ein neues Zeitalter des Wissens? Kritische Beiträge zur Diskussion über die Wissensgesellschaft. Zürich: Seismo, 2007. 280 S.
2) Jochen Steinbicker. Zur Theorie der Informationsgesellschaft: ein Vergleich der Ansätze von Peter Drucker, Daniel Bell und Manuel Castells.
3) „Uses of Creative Commons Licenses“. http://jcmc.indiana.edu/vol13/issue1/kim.html

Newsletter – Lesegruppe / Treff Digitale Allmend

Aus unserem neuesten Newsletter.

Di 27.11.2007 – 19:00 – Lesegruppe Wissensgesellschaft

Diesen Dienstag trifft sich zum ersten Mal die Digitalen Allmend Lesegruppe Wissensgesellschaft. Wir sehen uns einen ersten Text an und werden auch abmachen, wie es weitergehen soll.

Als Einstieg sprechen wir über den Einleitungstext eines neueren Sammelbandes (1). InteressentInnen können sich bei uns melden (info(at)allmend.ch).

Die Lesegruppe sieht sich also Dienstag 27. Nov 19:00 Uhr im Restaurant Gloria Josefstrasse 59, 8005 Zürich.

Auf der “nice to read” Liste für die Zukunft stehen Vorschläge wie “Uses of Creative Commons Licenses” oder ein zusammenfassender Überblick über Konzepte der Informationsgesellschaft (2).

Mehr dazu bei taktil.

(1) “Einleitung zur Diskussion über die Wissensgessellschaft.” in: Gemperle, M.; Streckeisen, P. (Hrsg.): Ein neues Zeitalter des Wissens? Kritische Beiträge zur Diskussion über die Wissensgesellschaft. Zürich: Seismo, 2007. 280 S.

(2) Jochen Steinbicker. Zur Theorie der Informationsgesellschaft : ein Vergleich der Ansätze von Peter Drucker, Daniel Bell und Manuel Castells.

Mo 3.12.07 – 19:00 – Treffen Digitale Allmend

Die Digitale Allmend möchte sich in Zukunft regelmässig zu einer lockeren Gesprächsrunde treffen. Am Treff besprechen wir verschiedene Themen, wie Creative Commons, Urheberrecht und Web 2.0, Ideen für Aktivitäten 2008 oder andere Fragen die Digitale Allmend gerade
beschäftigen.

Der erste Treff findet am Montag 3. Dezember 19:00 Uhr im Restaurant Gloria Josefstrasse 59, 8005 Zürich statt.

Die Treffen sollten in Zukunft regelmässig am ersten Montag des Monats stattfinden. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Frankreich mit neuem anti-piracy plan

soeben in bbc news/technology gelesen:

französische Internet-User, welche beim ‘pirating’ von Filmen oder Musik erwischt werden, könnten schon bald vom Netz getrennt werden.
Gemäss dem Artikel wird eine neue unabhängige anti-piracy Behörde geschaffen, welche von den Kontrollfirmen der Musik- und Filmindustrie bei Verstössen kontaktiert wird.
Nach einer unwirksamen Warnung, wird filesharern mit einer Trennung oder Suspendierung vom Netz gedroht….
Natürlich ist die IFPI euphorisch über diese Schritte.

Ubuntu-Notebooks ohne Windows-Lizenzgebühren

Ubuntu, das Linux-Betriebssystem welches sich durch besonders einfaches Installieren und Bedienen auszeichnet, erfreut sich immer grösserer Beliebtheit. Die steigende Popularität lässt sich auch an den Google-Suchanfragen ablesen. Nach den Statistiken von Google Trends wurde in den letzten zwei Jahren sogar mehr nach Ubuntu gesucht als nach dem Apple-Betriebssystem OS X.

Langsam scheint auch im Computer-Fachhandel ein Umdenken statt zu finden. Diesen Sommer hat bereits Dell auf vielfachen Wunsch damit begonnen, Rechner mit vorinstalliertem Ubuntu zu verkaufen.
In der Schweiz gab es zwar bereits Händler, die Computer mit vorinstalliertem Linux im Angebot hatten, aber es es war bisher praktisch unmöglich, einen Marken-Computer zu kaufen, ohne dazu noch eine Windows-Lizenz bezahlen zu müssen.

Dank dem neuen Ubuntu-Shop an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) gibt es nun einen Anbieter von Marken-Laptops (Fujitsu-Siemens) mit vorinstalliertem Ubuntu, bei denen keine Gebühren für Windows-Lizenzen anfallen.

Einigung zwischen GEMA und YouTube wirft Fragen auf

Auf Nachfrage bei der SUISA wurde uns mitgeteilt, dass die kürzlich getroffene Vereinbarung der GEMA mit YouTube für YouTube-Nutzer aus der Schweiz keine Gültigkeit habe. Die GEMA hat in ihrer Pressemitteilung geschrieben, dass sie sich mit YouTube geeinigt hat, dass deutsche YouTube-Nutzer für ihre Videos nun auf Werke von der GEMA zurückgreifen dürfen.

Poto Wegener, der Leiter von der Urheberabteilung bei der SUISA, bezweifelt jedoch, dass die GEMA berechtigt ist, eine Erlaubnis für die Nutzung des «Weltrepertoires» der GEMA den deutschen YouTube-Nutzern auszusprechen. Für Werke, die bei der SUISA angemeldet sind, wäre dies schon allein deshalb nicht möglich, weil die SUISA nicht über das so genannte «Synchronisationsrecht» verfügt. Solange dieses Recht bei den Autoren liegt, darf der Rechtsinhaber nicht selber bestimmen, ob ein Musikstück mit einem anderen Werk verbunden werden darf. Deshalb ist es deutschen YouTube-Nutzern nach wie vor nicht erlaubt, SUISA-Werke in ihren YouTube-Videos zu verwenden.

Von der Vereinbarung ausgenommen dürften auch die Rechte an Musikvideos sein, obwohl dies in der Medienmitteilung der GEMA nicht klar hervorgeht: «Diese Einigung ermöglicht die Musiknutzung sowohl in Musikvideos als auch in den von Nutzern erstellten Videos». Fakt ist jedoch, dass die GEMA weder Leistungsrechte noch Urheberrechte aus anderen Bereichen als der Musik vergeben kann. Der Upload eines MTV-Clips würde deshalb zusätzlich der Abklärung dieser Rechte bei den MusikerInnen oder Tonträgerproduzenten bedürfen.

YouTube-Nutzer dürfen auf GEMA-Repertoir zurückgreifen

Zum Start der deutschen Plattform konnte sich YouTube mit der deutschen Verwertungsgesellschaft GEMA einigen. Ab sofort können deutsche Nutzer von YouTube auf das «Weltrepertoire» musikalischer Werke der GEMA zurückgreifen, ohne befürchten zu müssen, sich dabei strafbar zu machen. Diese Einigung ermögliche die Nutzung von GEMA-Musik sowohl in Musikvideos als auch in den von Nutzern erstellten Videos. Der Kooperation seien langwierige Verhandlungen über die Entgelte für die Nutzungsrechte vorhergegangen. Über Details der Einigung wurde Stillschweigen vereinbart.

GEMA Pressemitteilung
YouTube Deutschland

27.11.2007 – Treffen Lesegruppe Wissensgesellschaft

Die Digitale Allmend trifft sich für eine Lesegruppe zum Thema Wissensgesellschaft:

Dienstag 27. Nov 19:00
Restaurant Gloria Josefstrasse 59, 8005 Zürich

Seit vor 60 Jahren der erste Sputnik aus dem Orbit piepste, flammen immer wieder spannende Diskussionen über die Bedeutung von Wissen für den gesellschaftlichen Wandel auf. Der Aufschwung der digitalen Informationstechnologie hat der Debatte neue Facetten verliehen. Arbeitslosigkeit, Bildungspolitik, Cyberkultur, digitaler Graben, Ende des Kapitalismus, neue Medien, virtuelle Gemeinschaften – ein ganze Menge Stichworte versuchen zu fassen, was sich unter unseren Augen abspielt.

Anhand von neueren Texten möchten wir uns im Rahmen der Digitalen Allmend mit Fragen der Wissensgesellschaft beschäftigen. Als Einstieg sprechen wir über den Einleitungstext eines neueren Sammelbandes (1). InteressentInnen melden sich per e-Mail oder Blog-Kommentar bei uns.

(1) (1) “Einleitung zur Diskussion über die Wissensgessellschaft.” in: Gemperle, M.; Streckeisen, P. (Hrsg.): Ein neues Zeitalter des Wissens?. Kritische Beiträge zur Diskussion über die Wissensgesellschaft. Zürich: Seismo, 2007. 280 S., ISBN: 978-3-03777-045-0